Economy für Einsteiger

Wirtschaft, das neue Buch von Robert Heilbroner und Lester Thurow.

Von Martina Jordan

Die Wirtschaft ist ein hochkompliziertes System. Wer wenig Vorkenntnisse hat und die Zusammenhänge besser verstehen möchte, für den ist Heilbroners und Thurows Klassiker, der nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt, bestens geeignet.

In leicht verständlicher Sprache erklären Heilbroner und Thurow, wie Wirtschaft funktioniert. Bereits vor 20 Jahren erschien die erste Ausgabe ihres Werks in den USA, nun liegt die deutsche Übersetzung vor. Positiv: Der Verlag hat deutsche Vergleichszahlen und einen Abschnitt über die europäische Währungsunion und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank eingefügt. Auch aktuell ist die deutsche Ausgabe natürlich, denn die Autoren haben in immer neuen Überarbeitungen auf die Veränderungen der letzten 20 Jahre reagiert. Viel hat sich getan, seit ihr Buch zum ersten Mal gedruckt wurde: Die Welt teilt sich nicht mehr in sozialistische und kapitalistische Staaten. China ist zur Weltwirtschaftsmacht aufgestiegen und die New Economy hat das Wirtschaften grundlegend verändert. Doch die Grundlagen unseres Wirtschaftssystems sind dieselben geblieben. Und genau diese Zusammenhänge wollen Robert Heilbroner und Lester Thurow erklären. Außerdem geben sie einen Überblick über die Herausforderungen, vor die uns die Wirtschaftswelt von morgen stellt.

Technischer Fortschritt als Motor.


Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs. Das Internet hat Veränderungen in unserer Wirtschafts- und Lebenswelt hervorgerufen, deren Folgen sich heute noch nicht absehen lassen. Anhand der Geschichte des Kapitalismus zeigen Heilbroner und Thurow, dass dieser Wandel typisch für das Wirtschaftssystem ist, in dem wir leben. Sein Motor ist der technologische Fortschritt. Doch die Veränderungen, die dieser Fortschritt mit sich bringt, sind nicht nur positiv. Eine angenehme Folge der Globalisierung ist, dass der Verbraucher günstigere Produkte aus dem Ausland kaufen kann. Auf der anderen Seite produzieren Unternehmen in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten. Im Inland gehen so Arbeitsplätze verloren. Die Autoren weisen deshalb darauf hin, dass der Kapitalismus als sich wandelndes System der Gestaltung bedarf. Der industriellen Revolution, die ein aufsässiges Massenproletariat hervorbrachte, begegnete die Politik mit der Regulierung der Arbeitsbedingungen. Als die Massenproduktion eingeführt wurde, bildeten sich große Industriekonzerne. Auf die die Politik prompt mit Antikartellgesetzen reagierte. Auch der heutige Wandel muss in Form gebracht werden, so die Autoren.

Keine unstreitbaren Patentrezepte.


Die Frage, wie die Staaten auf die gewaltigen Veränderungen reagieren sollen, lassen Heilbroner und Thurow jedoch bewusst unbeantwortet. Es geht ihnen in erster Linie darum, die Grundlagen zu vermitteln, die man braucht, um Wirtschaft zu verstehen. Dazu gehören die wichtigsten Vokabeln ebenso wie das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Zum Beispiel, dass sich die Wirtschaft in die Sektoren Haushalte, Unternehmen und Staat unterteilen lässt. Die Haushalte sparen einen Teil ihres Einkommens. Unternehmen wiederum leihen sich dieses Geld bei den Banken, um damit zu investieren. Wenn die Unternehmen aber nicht mehr bereit sind zu investieren, weil sie befürchten, ihre Investitionen könnten sich nicht rechnen, gerät das Wirtschaftswachstum ins Stocken und die Arbeitslosigkeit steigt. Aber wie kommt es überhaupt zu einem Abschwung und kann der Staat nicht Abhilfe schaffen?
Einigkeit besteht innerhalb der Wissenschaftswelt über solche Dinge nicht. Die Autoren selbst bekennen sich zur staatsinterventionistischen Schule. Wenn es darum geht, die Wirtschaft anzukurbeln, sind staatliche Investitionen für sie durchaus ein geeignetes Mittel. Der Staat darf sich dabei auch verschulden. Auch Unternehmen machen schließlich Defizite, um zu investieren. Wichtig sei für Staaten wie Unternehmen aber, dass die Defizite in Zukunft zu Mehreinnahmen führten. Wenn ein Staat in die Bildung investiert, darf er dafür also ruhig ein Minus machen. In Deutschland fordern etwa die Gewerkschaften, die Regierung solle durch Ausgaben versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln. Die möchte die Schulden aber nicht noch weiter in die Höhe treiben. Heilbroner und Thurow weisen selbst darauf hin, dass nicht alle Wissenschaftler ihre Ansicht teilen. Auch den Argumenten und Positionen der Wirtschaftsliberalen räumen sie deshalb Platz ein. Die schlagen etwa vor, der Staat solle die Steuern senken - dann würden die Unternehmen auch investieren. Folge: Durch den Produktivitätszuwachs steht dem Staat schließlich genauso viel Geld zur Verfügung wie vor der Steuersenkung. Eine Argumentation, die in Deutschland oft von CDU und FDP zu hören ist.
Wer am Ende Recht hat, bleibt offen. Aber schließlich gehört zu den Dingen, die man über Wirtschaft wissen sollte, auch, dass es keine unstreitbaren Patentrezepte für wirtschaftliche Probleme gibt.

Vor allem für Einsteiger geeignet.


Für viele sind all diese Erklärungen sicherlich nichts Neues. Wer ohnehin schon regelmäßig und ohne größere Verständnisprobleme den Wirtschaftsteil seiner Zeitung liest, den wird diese Einführung vielleicht eher langweilen. Wer aber meint, ihm fehlten ein paar entscheidende Grundlagen, um wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, für den ist das Buch sicher eine Bereicherung.

Martina Jordan ist freie Journalistin und lebt in Köln.

Robert Heilbroner / Lester Thurow:
Wirtschaft - Das sollte man wissen,
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2002,
280 Seiten, 25,50 Euro,
ISBN 3-593-37065-4
www.campus.de

© changeX Partnerforum [16.10.2002] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.


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: Wirtschaft.. Das sollte man wissen.. Campus Verlag, Frankfurt/New York 1900, 280 Seiten, ISBN 3-593-37065-4

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