Wissen für Gründer

Svenja Hoferts Praxisbuch Existenzgründung in Neuauflage
Rezension: Jost Burger

Es ist ein Standard für Gründer geworden: das Praxisbuch Existenzgründung. Auch die sechste komplett überarbeitete Neuauflage wartet mit mächtig viel Wissen auf - auf den aktuellen Stand gebracht und mit mehr Gewicht auf der Ideenfindung.

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Das Praxisbuch Existenzgründung gehört zu den erfolgreichsten Gründungsratgebern im deutschen Raum. Mit ihm hat es die Autorin Svenja Hofert in die Riege der bekanntesten Gründungsberater geschafft. Was auch daran liegt, dass sie mit ihren Publikationen als eine der Ersten konsequent diejenigen ins Auge gefasst hat, die unter "Gründen" im Wortsinn das Gründen einer Existenz verstehen - als Handwerker, Texter oder Ladeninhaber -, und nicht die Schaffung einer weltumspannenden Mega-Corporation.  

Nicht die von Banken, Gründerinitiativen und auch Teilen der universitären Lehre geheiligten Super-Entrepreneure sind es, an die sich Hofert wendet, sondern Einzelkämpfer, im guten Sinne Selbstverwirklicher: Unabhängige, die weniger auf Wachstum setzen als auf das Erarbeiten einer guten Lebensgrundlage. Das Slow-Grow-Prinzip nannte Hofert diese Weltsicht in ihrem ebenfalls erfolgreichen gleichnamigen Buch.


Wissen gefragt


Doch auch pragmatische Gründer und Menschen, die von ihren Ideen leben wollen, brauchen zunächst eines: Wissen. Wie organisiere ich meine Buchhaltung, welcher Mehrwertsteuersatz gilt wann, wie erstelle ich eine Kalkulation? All diese Fragen beantwortet das Praxishandbuch. Soeben ist es in einer sechsten, komplett überarbeiteten Auflage erschienen. "Mehrmals habe ich das Buch überarbeitet, aber nie so grundlegend wie dieses Mal", schreibt Hofert im Vorwort. Was zunächst einmal Aktualisierung und Erweiterung bedeutet. Noch mehr Fallbeispiele als bisher finden sich, die das recht übersichtlich gestaltete und auf Lesefreundlichkeit setzende Buch auflockern. Links und Adressen wurden aktualisiert und neue hinzugefügt, Formulare ausgetauscht und Checklisten überprüft. Ebenso wie der Anhang, der die "wichtigsten Zahlen" auf den Stand von Ende 2012 bringt: Steuersätze, Bemessungsgrenzen, Grundfreibeträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz.  

Weiterhin ist das technische Handwerkszeug, was wir hier immer als "instrumentelles Gründerwissen" bezeichnen, umfassend und ebenfalls gewohnt praxisnah dargestellt - von Steuerfragen über Rechtliches und die Kreditbeschaffung bis zum Marketing und den lieben Mitarbeitern.


Sich Gedanken machen über die Geschäftsidee


Auch auf den von vielen in der Gründerszene mittlerweile geschmähten Gründertest verzichtet Hofert nicht. Sie führt dafür verschiedene solcher Fragensammlungen zusammen, die jeweils Gründereigenschaften abfragen, die aus Sicht der einzelnen Urheber wichtig sind. Doch Svenja Hofert wäre nicht sie selbst, schriebe sie nicht: "[die] Antworten sollen Ihnen in erster Linie helfen, sich weitere Gedanken zu machen" - etwa, ob diese oder jene Eigenschaft für eine individuelle Geschäftsidee wirklich nötig ist.  

Apropos Geschäftsidee: Vielen "instrumentell" orientierten Ratgebern wird gern angelastet, sie hätten zu wenig Platz für die Frage der Ideenfindung. Das mag richtig sein, hinter solcher Kritik steht aber nicht selten eine irregeleitete Hoffnung. Jedenfalls beschleicht einen zuweilen das Gefühl, nicht wenige Menschen erwarteten sich von einem Gründungsratgeber tatsächlich eine zündende, konkrete Geschäftsidee, auf die sie selbst nicht kommen. Wer ehrlich zu sich ist, weiß natürlich, dass das Quatsch ist. Dennoch müssen Autoren dieser Ratgeber dem Bedürfnis Rechnung tragen und sollten Fundiertes zum Kreativprozess liefern.  

Insofern muss man loben, wie es die Autorin versteht, im entsprechenden Kapitel - das übrigens dennoch mehr als dreimal so lang ist als in der vorherigen Ausgabe - die wichtigsten Ansätze und Techniken zur Ideen- und Produktentwicklung darzustellen. Selten zum Beispiel findet sich eine so knappe, aber anwendbare Darstellung der "Blue Ocean"-Strategie oder von Walt Disneys Methode der drei Schreibtische.  

Ebenfalls modernisiert: der Abschnitt übers Internet-Marketing. Ohne Hype und große Versprechungen, sondern ganz pragmatisch geht es darum, für wen etwa ein Facebook-Auftritt, eine virale Marketingkampagne oder ein Blog sinnvoll ist. Unterstützt übrigens unter anderem durch Hinweise auf eigene Onlineaktivitäten der Autorin.


Durch eigenen Erfolg überzeugend


Wodurch sich in diesem Kapitel auch ein weiterer USP dieses Buches offenbart. Denn warum eigentlich wirkt das Praxishandbuch so überzeugend? Weil Svenja Hofert eine Frage beantwortet, die viele beim Lesen von Gründungsratgebern beschleicht: Wenn die Autoren so viel übers Gründen wissen, warum halten sie sich dann damit auf, Bücher darüber zu schreiben? Sind sie vielleicht keine guten Gründer?  

Auf Svenja Hofert trifft das eben nicht zu. Sie ist mit ihrer Geschäftsidee - Gründungswillige zu unterstützen und zu coachen - selbst zu einer sehr erfolgreichen Gründerin geworden. Was sie untermauert, indem sie immer wieder Beispiele aus ihrem eigenen Serviceangebot bringt. Das ist keine plumpe Selbstvermarktung. Sie nutzt einfach die Möglichkeit, überzeugende Argumente für die Güte ihrer Ratschläge zu bringen.  

Kurzum: Inhaltlich erschöpfend, dabei in der Darstellung nicht überbordend und nie langweilend. Sogar die Herausforderung "Ideenfindung" meistert das Buch sehr gut. Aktuell ist es durch die komplette Neubearbeitung. Und durch eigenen Erfolg überzeugend. Dafür vergeben wir gerne die Bestnote und sprechen eine unbedingte Leseempfehlung aus.  


changeX 30.11.2012. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Praxisbuch Existenzgründung. Erfolgreich selbstständig werden und bleiben. GABAL Verlag, Offenbach 2012, 420 Seiten, 34.90 Euro, ISBN 978-3-86936-436-0

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Autor

Jost Burger
Burger

Jost Burger ist freier Journalist in Berlin. Er schreibt als freier Mitarbeiter für changeX.

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