Nicht handeln ist keine Option mehr

Buchkolumne der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen

Klimawandel. Das Megathema. Ist dazu nicht schon alles gesagt und geschrieben? Offensichtlich nicht. Neue Bücher bringen neue Perspektiven und neue Erkenntnisse. Zum Beispiel zur Förderung der Klimaskeptiker durch die US-Administration unter Reagan und Bush. Zum Zusammenhang von Klima und Wetter. Oder zum Beitrag der (Massen-)Tierhaltung zum Klimawandel. Eine Buchumschau.

Birgit Bahtić-Kunrath von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen hat sich die wichtigsten und meistdiskutierten Neuerscheinungen zum Thema Klimawandel angesehen und stellt sie vor. Besprochen werden etwa Publikationen von Friederike Otto, Helga Kromp-Kolb und Herbert Formayer, Nathaniel Rich, Jonathan Safran Foer sowie Greta Thunberg. Alle Titel liefern wichtige Beiträge zu einer notwendigen Debatte.


So viel Klima steckt im Wetter


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Die Klimawissenschaftlerin, Physikerin und Philosophin Friederike Otto hat mit Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme ein Buch vorgelegt, welches für die aktuellen Debatten rund um den Klimawandel eine wichtige Rolle spielen sollte. Denn Otto gehört zu einem kleinen Kreis von Wissenschaftlerïnnen, denen es gelungen ist, einzelne Wetterereignisse dem Klimawandel zuzuordnen, mittels eines neuen Zweiges in der Klimaforschung: der Zuordnungswissenschaft ("attribution science"). Die Zuordnungswissenschaft rechnet mit komplexen Modellen die Wahrscheinlichkeit aus, mit der der Klimawandel ein bestimmtes extremes Wetterereignis beeinflusst, wahrscheinlicher oder weniger wahrscheinlich macht oder auch gar keine Rolle für ein Wetterereignis spielt. Mit diesem Ansatz wird es zum ersten Mal möglich, den Klimawandel konkret sichtbar zu machen. 

Bislang haben Klimaforscherïnnen Abstand von Aussagen zu aktuellen Wetterereignissen gehalten, weil das seriöse Werkzeug fehlte, um entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Stattdessen wurde auf die Langfristigkeit von Klimaänderung verwiesen. Damit blieb der Klimawandel abstrakt und schwer greifbar - das hat sich erst mit der Zuordnungswissenschaft geändert, die endlich zeigen kann, dass der Klimawandel hier und jetzt das Wetter und damit unser Leben beeinflusst - ohne aber für alle Extremwetterereignisse verantwortlich zu sein. Die Autorin ermöglicht somit eine differenzierte Debatte jenseits von Panikmache: "Denn der Klimawandel, den wir in Gang gesetzt haben, kann nicht für jedes einzelne Wetterereignis verantwortlich gemacht werden, auch wenn das die Schlagzeilen in den Zeitungen oft nahelegen. Die korrekte Antwort auf die Frage, ob das Wetter extremer geworden ist, lautet also: in vielen Fällen ja - aber eben nicht immer und unter allen Umständen." 

Wie Zuordnungswissenschaft funktioniert, stellt Otto am Beispiel des Hurrikans Harvey dar, der im August 2017 die US-Großstadt Houston verwüstete. Jeder Tag wird im Detail durchgespielt: wie die Nachricht das Wissenschaftsteam erreicht, wie dieses die Auswirkungen des Hurrikans dokumentiert und in einem enormen Kraftakt ein Modell errechnet, das belegt, dass zwar Extremregen in der Region statistisch alle 9000 Jahre vorkommen kann - doch dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit massiv erhöht hat. Anhand dieses Beispiels zeigt die Autorin die Herausforderungen, vor denen die noch sehr junge Wissenschaft steht: Daten, die erst gesammelt werden müssen, Modelle, die auf ihre Robustheit abgeklopft werden sollen, Skepsis bei arrivierten Kollegïnnen. 

Otto zeichnet die Etablierung der Zuordnungswissenschaft so spannend wie einen Krimi nach. Dabei erklärt sie auch grundlegende Fakten zum Klimawandel: wie der Treibhauseffekt entsteht, welche Rolle Verdunstung und die Erwärmung der Ozeane spielen sowie die damit einhergehende Änderung der Luftzirkulation - der "Jetstreams", die dem Klimawandel je nach Erdregion ein anderes Gesicht geben. Thematisiert werden auch die Bemühungen von Politik und Wirtschaft, den Klimawandel kleinzureden oder gar zu leugnen, oftmals mit der Hilfe millionenschwerer Kampagnen - und der Medien: "Den Meinungsmanipulatorïnnen kommt dabei eine Tugend der Journalistïnnen entgegen: ausgewogen zu berichten und immer auch die Gegenseite zu befragen. Das aber hat, wenn auf einmal die Existenz des menschengemachten Klimawandels als Kontroverse und nicht als Fakt betrachtet wird, die Folge, dass Klimaskeptikerïnnen eine Bühne bekommen, die ihnen angesichts ihrer krassen Außenseiterposition keinesfalls zustehen dürfte." Für eine junge Disziplin wie die Zuordnungswissenschaft bedeutet dies, besonders vorsichtig und sorgfältig zu sein.


Nicht zu handeln ist keine Option mehr


Zuordnungswissenschaft ist zunächst eine Rekonstruktionswissenschaft: Der erste Schritt ist, zu verstehen, wie das Wetter ohne Klimawandel aussähe. Erst dann lässt sich berechnen, wie weit das aktuelle Wetter davon abweicht, und damit, welchen Effekt der Klimawandel hat. Die Frage ist also, wie viel Klimawandel in einem Extremereignis steckt. Vor allem bei Hitzewellen ist oft weniger Klimawandel "drinnen" als erwartet, das Gleiche gilt für Starkregen - solche extremen Ereignisse hat es immer wieder gegeben. Gleichzeitig erhöht der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ereignisse häufiger auftreten: "Ein November ohne Nachtfrost wie im Jahre 2011 ist ungefähr alle 20 Jahre zu erwarten in unserer Welt mit Klimawandel. Ohne Klimawandel nur alle 1250 Jahre." Otto betont, dass für die katastrophalen Auswirkungen von Extremwetterereignissen häufig nicht der Klimawandel verantwortlich ist, sondern menschliche Fehlplanung: etwa wenn in Überschwemmungsgebieten gebaut wird, wenn Flüsse eingesperrt oder natürliche Schutzbarrieren wie Wälder vernichtet werden. Oft dient der Klimawandel auch als bequeme Ausrede - ein abstraktes, mächtiges Phänomen, dem der Mensch nichts entgegenhalten kann, vor allem in Entwicklungsländern: "Andererseits verweisen viele Regierungen im globalen Süden oft reflexhaft auf den Klimawandel und die historische Schuld des Westens, wenn ein Sturm oder eine Hitzewelle ihr Land plagt, obwohl die Ursachen in vielen Fällen hausgemacht sind." In solchen Fällen sorgt die Zuordnungswissenschaft für Klarheit und fordert damit die Politik zum Handeln auf, wenn klar wird, dass es ungenügende Bausubstanz, Fehlplanungen in der Landwirtschaft oder Ausbeutung natürlicher Ressourcen sind, die Menschen verletzlich machen. 

Um den Klimawandel einzubremsen, braucht es einen Systemwechsel, vor allem in den Industriestaaten, die historisch und aktuell die größten CO2-Emittenten sind, während die Entwicklungs- und Schwellenländer mit den gravierendsten Folgen zu kämpfen haben. So ein Wechsel wird erst möglich werden, wenn Klimaschäden in ökonomische Schäden übersetzbar sind und in den CO2-Preis Folgeschäden eingepreist werden. Eine ähnliche Verantwortung wie die Industriestaaten tragen große Konzerne, die maßgeblich zum Klimawandel beitragen. Zuordnungswissenschaft kann mit den neuen Methoden den Beitrag von einzelnen großen Firmen zum Klimawandel berechnen. Damit werden völlig neue Wege eröffnet, große Konzerne zur Verantwortung zu ziehen - zum Beispiel durch Gerichtsklagen, wie sie etwa 2018 gegen ExxonMobil in den USA eingebracht wurden. Die Autorin betont, dass dank der Zuordnungswissenschaft klar wird, dass wir nicht alle gleichermaßen Schuld am Klimawandel haben - eine apologetische Strategie, die von Konzernen gerne verwendet wird. Was bleibt, ist ein Fazit: "Nicht zu handeln ist keine Option mehr." 

Ottos großes Verdienst ist es, diese komplexe Wissenschaft in spannenden, einfachen Worten zu präsentieren - das Buch ist somit auch ohne Vorkenntnisse sehr gut lesbar und bringt einen echten Erkenntnisgewinn in Sachen Klimawandel. Wütendes Wetter hat es verdient, so weit wie möglich verbreitet zu werden - das Sachbuch der Stunde.


Ein gutes Leben für alle


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Auch dieses Buch lässt sich ohne Vorkenntnisse zum Thema gut lesen. Eingängig zeigt die österreichische Meteorologin und Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb mit ihrem Expertenkollegen Herbert Formayer, was Klimawandel für den Alpenraum bedeutet und was man als Einzelperson dagegen tun kann. Zunächst werden die physikalischen und chemischen Prozesse hinter dem Klimawandel erläutert. Die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre induziert eine Reihe von Rückkopplungseffekten: Sonnenstrahlung gelangt verstärkt unreflektiert auf die Erde, wo das Abschmelzen der Polkappen - insbesondere des Nordpols - weitere Reflexionsflächen zerstört und die Temperatur zusätzlich ansteigen lässt. Eine knapp gehaltene Darstellung der zurückliegenden Klimazyklen zeigt, dass die Erde durchaus Wärmeperioden und Klimaänderungen hinter sich gebracht hat: "Es ist jedoch ein Märchen, dass diese natürlichen Klimaschwankungen unproblematisch verlaufen sind, ganz im Gegenteil. Starke und langanhaltende Klimaveränderungen haben immer zu Verwerfungen geführt, wovon die Biosphäre immer am stärksten betroffen war." Das aber hat die Menschheit als Spezies kaum gefährdet, doch würde ein ungebremster Klimawandel das Ende unserer Zivilisation bedeuten, wird im Text gewarnt. 

Vor allem der Alpenraum ist vom Klimawandel stark betroffen. Vom Abschmelzen der Gletscher über schneelose, niederschlagsreiche Winter bis hin zu heißen und trockenen Sommern müssen sich die Menschen im Alpenraum auf große Änderungen einstellen. Besonders Land- und Forstwirtschaft sowie der Tourismus werden den Klimawandel spüren - wobei Kromp-Kolb und Formayer auch auf positive Effekte, wie die Verlängerung der Vegetationsperiode oder die gestiegene Attraktivität der Tourismusstandorte während der Sommermonate, verweisen. Diese Effekte werden aber von den teuren negativen Folgen "aufgefressen"; die ungebremst voranschreitende Versiegelung und Abnahme der Biodiversität verschärft die Situation zusätzlich. Auch globale Entwicklungen werden sich auswirken: Wüstenbildung, Versalzung von Böden aufgrund steigender Meeresspiegel, Städte, die deswegen aufgegeben werden müssen - all dies wird den Migrationsdruck nach Europa erhöhen und den globalen Kampf um knappe Ressourcen anheizen. 

Kromp-Kolb und Formayer betonen, dass es trotz der bedrückenden Diagnose Mittel und Wege gibt, den Klimawandel zumindest nicht zu verschlimmern, doch Leugnerïnnen fahren harte Kampagnen gegen nötige Regulierungen: "Heute wird gegen den Klimaschutz mit denselben Mitteln vorgegangen wie in den letzten Jahrzehnten gegen den Nichtraucherschutz. Hier wurde auch jahrzehntelang behauptet, dass es nicht erwiesen sei, dass Rauchen der Gesundheit schade, selbst als dieses Thema in der Wissenschaft gar nicht mehr diskutiert wurde. Diese Zweifel wurden mit Unsummen an Geld beworben und durch gekaufte ‚Experten‘ verbreitet, mit dem einzigen Ziel, Einschränkungen für die Tabakindustrie so lange wie möglich zu verhindern. Dasselbe geschieht heute beim Klimaschutz, teilweise sogar durch dieselben Institutionen und Personen." Immerhin hat es international ermutigende Entwicklungen gegeben, etwa das Pariser Klimaabkommen von 2016, welches das erfolglose Kyoto-Protokoll von 1998 ablöste. Freilich muss das Abkommen, das überraschend rasch in Kraft trat, nun auch umgesetzt werden - eine große Herausforderung, gepaart mit politischem Gegenwind, etwa aus den USA. 

Die Klimaforscherin und der Klimatologe wollen nicht weniger als ein "gutes Leben für alle" erreichen. Wie kann das klappen? Ein erster Schritt ist ein Wirtschaftssystem, welches ökologische Grenzen respektiert. Donut-Ökonomie von Kate Raworth ist ein Beispiel dafür, wie ein solches gestaltet sein könne - ökologische Grenzen gelte es unbedingt einzuhalten, während sozialer Ausgleich als Ziel ökonomischen Handels gelten soll. Weitere Stichworte für all die Vorschläge, wie man den Klimawandel durch ein nachhaltiges Wirtschaftssystem ausbremsen kann, sind etwa: Kreislaufwirtschaft, Postwachstumsansätze, Ökologische Ökonomie. Vor allem gibt es viele ermutigende Beispiele, die zeigen, wie Klimaschutz in der Praxis funktioniert: von genossenschaftlichen Initiativen, Teil- und Tauschkreisen über Individuen, die vor Ort ökologisch und sozial sinnvolle (Wirtschafts-)Projekte umsetzen, bis zu Klimaschutzgemeinden. 

Letztendlich darf die Politik nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden: Einmal mehr angeregt werden unter anderem eine ökologische Steuerreform, die Entlastung von Arbeit, die Förderung erneuerbarer Energien, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie ein bedingungsloses Grundeinkommen. Manches wird erst gelingen, wenn auch die internationale Staatengemeinschaft ihre Aufgaben erfüllt: "Auch dafür lohnt es sich, zu kämpfen, denn es steht viel, wenn nicht sogar alles auf dem Spiel." Ein empfehlenswertes Buch für alle, die mehr zum Thema erfahren und über ihren eigenen Klimaschutzbeitrag nachdenken wollen.


Menschheitsversagen Klimawandel


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Nathaniel Rich ist US-amerikanischer Journalist und hat mit Blick auf die Vereinigten Staaten eine "Abrechnung" zum "Menschheitsversagen" Klimawandel geschrieben. Konkret beschäftigt sich Rich mit der Periode 1979 bis 1990, als die CO2-induzierte Erderwärmung erstmals der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde und sogar ein internationales Abkommen in greifbarer Nähe war - bevor sich die Industrie und ihr nahestehende Politiker mit Desinformationskampagnen sowohl politisch als auch in der öffentlichen Meinung durchsetzen konnten und so die Welt in die Klimakatastrophe führten. 

Rich setzt dabei auf einen journalistischen Reportagen-Stil, der mitunter romanhafte Züge hat und eine starke moralische Position bezieht. Damit zieht er einen mitten ins Geschehen, was objektive Distanz erschwert. Gleichzeitig muss man dem Autor hervorragende Recherche zugestehen, die auf persönliche Interviews mit politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren dieser entscheidenden Jahre baut. 

Bereits 1979 wurden in einem wissenschaftlichen Bericht erstmals die Auswirkungen des Klimawandels benannt - und, im Gegensatz zu heute, auch seitens der Industrie und der Politik als Herausforderungen anerkannt, die es zu lösen gelte. Es folgte ein erstes großes Treffen führender Wissenschaftlerïnnen, um den Klimawandel zu diskutieren - daraus entstand der historische Bericht von Jule Charney, Carbon Dioxide and Climate: A Scientific Assessment. Der Bericht erhielt "fast sofort auf den höheren Ebenen der Regierung, der Wissenschaft und der Öl- und Gasindustrie, also innerhalb des Kreises von Menschen, die angefangen hatten, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie der Planet auch in Zukunft noch bewohnbar bleiben könnte, den Status einer unbezweifelbaren Tatsache", schreibt Rich. 

In der Folge stellte sich die Industrie Anfang der 1980er-Jahre darauf ein, es bald mit härterer Regulierung zu tun zu bekommen. So zeigten sich Vertreterïnnen der Erdölindustrie bei den ersten US-weiten Klimakonferenzen durchaus offen für bindende internationale Übereinkommen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes - vor allem getrieben durch die Angst, in juristische Auseinandersetzungen gezogen zu werden (was seit Kurzem tatsächlich Realität ist). 

Auch die Politik kam nicht mehr um das Thema herum. Eine Reihe von Kongressabgeordneten, sowohl Demokraten als auch Republikaner, begannen, den Klimawandel in Anhörungen und Untersuchungsausschüssen zu thematisieren. Als besonders engagiert erwies sich der junge demokratische Abgeordnete Al Gore, der spätere US-Präsidentschaftskandidat und Produzent des Films Eine unangenehme Wahrheit. Bereits 1981 argumentierte Gore für weitreichende politische Maßnahmen gegen den CO2-Ausstoß.


Und dann: "keine Panik"


Im Verlauf der 1980er-Jahre wurden jedoch erste Stimmen laut, die den Klimawandel zwar nicht leugneten, aber auf Zeit spielten: Der Bericht "Changing Climate", verfasst unter anderem vom späteren Nobelpreisträger William Nierenberg, verneinte einen dringenden Handlungsbedarf - und obwohl der Bericht unmissverständlich auf einen raschen Übergang zu erneuerbaren Energien drängte, wurde das kolportierte "keine Panik" von politischen Akteuren und den Medien nur zu gern aufgegriffen. Der Ausweg wurde im technologischen Fortschritt gesehen: Kommende Generationen würden die Instrumente haben, um den Klimawandel und seine Auswirkungen einhegen zu können. 

Mit dem Nachweis des Ozonlochs Mitte der 1980er-Jahre, welches Staaten weltweit bewog, sich in Montreal zu einer Reduktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) zu verpflichten, wurde auch das Thema Klima wieder prominenter. Obwohl mit Ronald Reagan ein Präsident im Weißen Haus war, der von Klimaschutz nichts wissen wollte, fanden im US-Kongress 1987 sogar drei Ausschüsse in beiden Kammern zum Thema Klimawandel statt. Es gab sogar einen Gesetzesentwurf, eingebracht vom Demokraten Joe Biden, späterer Vizepräsident, der eine nationale Strategie gegen den Klimawandel vorsah. Gleichzeitig wurden Wissenschaftlerïnnen, die vor dem Kongress aussagen sollten, mit politischem Druck vom Weißen Haus konfrontiert, Aussagen abzumildern oder zu ändern - eine Erfahrung, die etwa James Hansen, ein wichtiger Wortführer der Wissenschaftscommunity, machte: "drei Tage vor seinem Auftritt am Montag, wurde ihm mitgeteilt, dass das Weiße Haus Änderungen in seiner Aussage verlange. Eine Begründung fehlte." 

Diese Zensurversuche machten klar, dass die Reagan-Administration nicht an einer politischen Lösung des Klimaproblems interessiert war - und damit erkannte die Energieindustrie, dass sie genügend politische Rückendeckung hatte, um Regulierungen zu verhindern: "Zumindest einen Augenblick lang sah es danach aus, als würde die Energieindustrie, nachdem sie begriffen hatte, dass es dabei auch um ihre eigene Zukunft ging, sogar eine Vorreiterrolle einnehmen. (...) Und jetzt, nach dem politischen Triumph des Montrealer Protokolls und der überparteilichen Unterstützung für eine Klimapolitik, wurde klar, dass es auf der höchsten Ebene der Bundesregierung - sogar im Weißen Haus - Leute gab, die darauf aus waren, eine regelrechte Bilanz des eigentlichen Problems um jeden Preis zu verhindern." 

Noch einmal sollte es Hoffnung geben: Nach einer Dürrekatastrophe in den USA 1988 wurde das Thema Klimawandel von den Medien wieder stärker aufgegriffen. Gleichzeitig gab es international Bewegung: Skandinavische Länder, die Niederlande und Großbritannien verlangten abgestimmte Sofortmaßnahmen, um den Klimawandel aufzuhalten. Doch die mittlerweile auf Abwehrkampf eingestellte Energieindustrie fuhr schwere Geschütze auf, um eine Regulierung von CO2 abzuwenden: Man gründete und finanzierte zahlreiche Organisationen, die offiziell als zivilgesellschaftliche Einrichtungen auftraten, letztendlich aber gezielt Desinformation zum Klimawandel streuten. Der Todesstoß kam schließlich von John Sununu, Stabschef von George H. Bush, der im Versuch einer klimaschutzbedingten Regulierung der Wirtschaft eine linke Verschwörung sah. Mittlerweile - im November 1989 - hatten internationale Verhandlungen in den Niederlanden zu einem Klimaabkommen begonnen, doch unter dem Druck der USA wurde nur ein vage formuliertes Papier verfasst, welches auf die Festlegung von CO2-Reduktionen verzichtete: "In der Abschlusserklärung war nur die Rede davon, dass ‚viele‘ Staaten eine Stabilisierung der Emissionen befürworteten. Wer das war, stand da ebenso wenig, wie eine Vorgabe genannt wurde oder eine Frist. Und damit löste sich ein quälender, schmerzhafter und begeisternder Prozess, der sich über ein ganzes Jahrzehnt erstreckt hatte, in Luft auf." 

Im Epilog des Buches betont Rich, dass die Klimakrise nichts anderes als eine moralische Krise sei. Industrielle Desinformationskampagnen und politische Klimawandelleugnung müssten als zutiefst unmoralisch gebrandmarkt werden. Der Autor zieht hier Vergleiche zur Sklaverei, Rassentrennung, der Ächtung von Kernwaffen oder zur gleichgeschlechtlichen Ehe: Die Gesellschaft und in der Folge die Politik wurden mobilisiert, als diese Themen zu Fragen der Moral erhoben wurden. Dabei setzt er auf die Jugend: "An irgendeinem Punkt, der vielleicht gar nicht mehr so fern ist, werden die Ängste der Jungen die Oberhand gewinnen über die der Älteren. Und irgendwann werden die Jungen genug Macht aufbauen, um endlich zu handeln."


Der Link: Massentierhaltung und Klimawandel


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Jonathan Safran Foer, Autor des aufsehenerregenden Werkes Tiere essen, hat ein Buch über die klimatischen Auswirkungen von Massentierhaltung geschrieben, welches vor allem von einem geprägt ist: Schonungslosigkeit. Diese Schonungslosigkeit wendet der Autor gegen sich selbst, aber genauso gegen die Leserïnnen. 

Das Buch bricht mit allen Erwartungen, die man an ein Buch über den Klimawandel beziehungsweise über ein konkretes Klimaproblem hat: Anstelle einer Aufzählung von Fakten zum Klimawandel strebt Foer an, uns und sich selbst zum Handeln zu bringen. Dies mit einer Eindringlichkeit, dass man sich seinem Argument kaum entziehen kann, denn tatsächlich: Wir, unser gesamtes Verhalten und hier besonders unser Essverhalten können das Klima jeden Tag weiter zerstören oder ein Stück weit retten. Warum wir Letzteres nicht tun? Weil wir in letzter Konsequenz nicht akzeptieren können, dass der Klimawandel uns selbst, unsere Kinder, unsere Zivilisation als Ganzes bedroht. Ziel des Buches ist, unseren Glauben an die Möglichkeit des Klimawandels zu wecken, und uns zum Aktivwerden zu bringen, zumindest im Hinblick auf unseren Konsum von Tierprodukten. 

Foer hat sein Buch in fünf Abschnitte gegliedert. Jeder dieser Teile bringt uns der Verbindung von Massentierhaltung und Klimawandel Schritt für Schritt näher. Fakten zur Rolle von Viehzucht für Umweltschäden werden erst im Anhang behandelt, nachdem die Leserïnnen in den Kapiteln vorher von Foer buchstäblich "ins Gebet" genommen wurden. Der Autor arbeitet mit Analogien und philosophischen Exkursen, mit Streitgesprächen mit sich selbst, mit schlimmstmöglichen Katastrophen und mit bestmöglichen Reaktionen darauf. 

Ein Bild, das im Buch immer wieder bemüht wird, ist die kollektive Kraftanstrengung der USA im Zweiten Weltkrieg - nicht nur die Massenmobilisierung an der Front, sondern auch in den amerikanischen Fabriken, das radikale Zurückschrauben individuellen Konsums, das massiven Anheben von Steuern sowie das Aufbrechen tradierter Rollen. Foer sagt geradeheraus, dass man den Klimawandel nicht "ohne Opfer" besiegen könne. Im Grunde ist unsere Zivilisation am Ende, nur wie sie endet, können wir gestalten: durch die Katastrophen, die der Klimawandel hervorruft - oder indem wir für uns eine neue, klimafreundliche Art zu leben schaffen. Das große Problem ist jedoch, dass die Auswirkungen des Klimawandels und der Gedanke, eine neue Zivilisation zu bauen, schlicht unsere Vorstellungskraft übersteigen: "Die Krise unseres Planeten ist so abstrakt und vielschichtig, verläuft so langsam, ermangelt so sehr symbolträchtigen Gestalten und Momenten, dass es unmöglich scheint, sie fesselnd und wahrhaftig zu beschreiben."


Es ist uns egal


Gerade die "gute Story" fehlt dem Klimawandel - und damit auch die Möglichkeit, Massen zu emotionalisieren und zu mobilisieren, wie es etwa die Bürgerrechtsbewegung geschafft hat. Folgerichtig versucht Foer, den Klimawandel mit Emotion zu "unterfüttern" - erst dann können wir daran "glauben" und unser Handeln entsprechend ausrichten. Die Emotionalisierung treibt der Autor recht weit - für geschichtssensible Europäerïnnen manches Mal zu weit, entweder wenn er Parallelen zum "Nicht-Glauben" an den Holocaust bei Entscheidungsträgerïnnen in den Westmächten zieht. Denn Wissen reicht nicht, um zu handeln: "Allem Wissen über menschengemachten Klimawandel zum Trotz haben wir 2018 mehr Treibhausgase produziert als je zuvor - der Anstieg liegt dreimal höher als das Wachstum der Weltbevölkerung. Gute Ausreden gibt es zuhauf (…). Aber die Wahrheit ist so roh wie offensichtlich: Es ist uns egal." Es kann sich nur etwas ändern, wenn wir den Klimawandel und den Kampf dagegen emotionalisieren. Dabei spielt jedes Individuum eine entscheidende Rolle: "Ist radikaler Wandel gefragt, behaupten viele, man könne ihn als Einzelner ja sowieso nicht herbeiführen, brauche es also gar nicht erst versuchen. Das genaue Gegenteil trifft zu: Die Ohnmacht des Einzelnen ist der Grund, aus dem alle es versuchen müssen." 

Foers wichtigstes Anliegen ist das Ende der industriellen Massentierhaltung. Dabei geht es ihm nicht um die Propagierung einer strikt veganen Lebensweise, sondern um eine Umstellung des Lebensstils: "Dieses Buch plädiert dafür, dass wir alle anders essen - soll heißen: keine tierischen Produkte vor dem Abend." Und weiter: "Wir können nicht unsere vertrauten Mahlzeiten und zugleich unseren vertrauten Planeten behalten. Eins davon müssen wir aufgeben. So einfach und so schwierig sieht es nun mal aus." 

Nicht nur die große Menge der Treibhausgase Methan und Stickoxid, die durch Nutztierhaltung in die Atmosphäre ausgestoßen werden, sondern die damit einhergehende Entwaldung und die Entsorgung von Tierabfällen tragen maßgeblich zur Erderwärmung bei: "Laut der Welternährungsorganisation FAO ist Nutzvieh ein Hauptverursacher des Klimawandels (…). Wir wissen genau, dass wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen, solange wir die Nutztierhaltung nicht in den Griff bekommen." 

Nach einer detaillierten Auflistung von Fakten zur Rolle der Massentierhaltung für die Erwärmung der Erde folgt ein eindringliches Plädoyer, unser "Zuhause" zu bewahren. Dazu müssen vor allem jene ihre Selbstzufriedenheit überwinden, die meinen, schon genug zu tun - denn diese können wirklich etwas bewegen, im Gegensatz etwa zu dezidierten Klimawandelleugnerïnnen. Das betrifft auch Foer selbst: Im "Gespräch mit der Seele" hält der Autor ein Zwiegespräch mit sich selbst, in dem er seine Hoffnungen, Ängste und sein Nicht-Handeln recht gnadenlos seziert. Die Essenz des Gesprächs ist jedoch nicht der Verzicht, sondern das Maßhalten. 

Nur ganz kurz stellt Foer die Systemfrage. Natürlich braucht es ein anderes Wirtschaften, ein politisches System, das strukturellen Wandel ermutigt und umsetzt, aber der Autor betont, dass ohne eine Veränderung individuellen Handelns die Klimawende nicht geschafft werden kann - und hier geht es vor allem um das Essverhalten. Doch solange "die Entscheidung für den Tod bequemer ist als die für das Leben" steuern wir wissend in die Katastrophe. 

Wir sind das Klima! ist einzigartig in seiner Eindringlichkeit. Foer will emotionalisieren - was er auch offen anspricht - und uns nicht in den Alltag entlassen, ohne dass wir uns selbst sehr grundsätzliche Fragen zu unserem Lebensstil stellen. Das "In-die-Pflicht-Nehmen" des Individuums ist sowohl Stärke des Buches - wir alle müssen Opfer bringen - als auch seine Schwäche. Während es ohne uns alle nicht gehen wird, ist die systemische Frage mehr als eine bloße Randnotiz, als die sie Foer darstellt. Was ist mit Menschen, denen das Wissen zum Klimawandel fehlt? Mit jenen, die keine Handlungsressourcen und -optionen haben? Denjenigen, welche den Klimawandel schlicht leugnen? Foer bürdet dem Individuum eine atemberaubende Verpflichtung auf, die sich zwar ethisch begründen lässt, aber an der Realität scheitern wird. Ohne eine systemische Umstellung wird es nicht gehen.


Zeit für den Auftritt


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Greta Thunberg streikt seit August 2018 jeden Freitag für die Rettung des Klimas - dieser Schulstreik wurde zu einer globalen Bewegung junger Menschen. Und Greta Thunberg zu einer gefragten Rednerin vor diversen Foren. Ihre Reden zum Klimaschutz sind nun gesammelt als kleines Buch erschienen. Der schmale Band enthält die wichtigsten Reden der Klimaaktivistin, die sie seit Beginn ihres Schulstreiks gehalten hat, etwa vor internationalen Gremien wie der UN-Klimakonferenz oder dem Weltwirtschaftsforum in Davos sowie dem Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU. Die Reden verweisen stets auf wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel und betonen die politische wie wirtschaftliche Dimension des Klimawandels: Es braucht politisches Handeln, um den Klimawandel zu stoppen; die Art, wie wir wirtschaften, muss neu gedacht werden. Ein besonderes Anliegen Thunbergs ist die Klimagerechtigkeit: Es sind die westlichen Industrieländer, die den Klimawandel hauptsächlich verursacht haben. Aus Solidarität müssen diese Länder ihren CO2-Ausstoß ganz besonders stark drosseln, damit es Entwicklungs- und Schwellenländern möglich ist, sich adäquat zu entwickeln. 

Das Herzstück des Buches ist ein Facebook-Eintrag Thunbergs, in dem sie auf kritische Stimmen antwortet und klarstellt, weder von Personen mit spezifischen Interessen gesteuert zu werden noch durch ihren Aktivismus Geld zu verdienen. In all ihren Reden macht Thunberg deutlich, dass es für sie keine Grautöne beim Klimaschutz gibt: Entweder man begrenzt die Erderwärmung oder man macht es nicht - und lebt mit den hochproblematischen Konsequenzen: "In klaren Worten. Egal, wie unbequem und unrentabel es sein mag. Wir müssen nahezu alles in unseren heutigen Gesellschaften verändern. Je größer euer Kohlenstofffußabdruck ist, umso größer ist eure moralische Verpflichtung. Je größer eure Plattform ist, umso größer ist eure Verantwortung. Erwachsene sagen ständig: ‚Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnungen zu machen.‘ Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet." 

In einem zweiten, ebenfalls im S. Fischer Verlag erschienenen Buch, erzählt Malena Ernman, Greta Thunbergs Mutter, aus dem Familienleben mit einer großen Offenheit, die soziale Problemlagen weit über das Klimathema hinausgehend thematisiert. Das Leben von Ernman erfährt einen Einbruch, als beide Töchter, Greta und die um drei Jahre jüngere Beata, Anzeichen von psychischen Störungen zeigen. Für Ernman und ihren Partner beginnt eine Odyssee des Leidens: Mit zehn Jahren beginnt Greta eine massive Essstörung zu entwickeln und ist nicht mehr in der Lage, dem Unterricht zu folgen. Bis zur Diagnose Asperger vergehen Monate. Im Kampf um das familiäre Überleben fallen gesellschaftliche Problemlagen immer stärker auf die Familie zurück, etwa ein Schulsystem, das für Kinder außerhalb der erwarteten Norm nicht gewappnet ist. 

Es ist Greta Thunberg, die den Kampf gegen den Klimawandel in die Familie einziehen lässt. Für sie ist es nicht nachvollziehbar, warum die Menschheit sehenden Auges geradewegs in die Katastrophe steuert. Sie überzeugt ihre Familie, sich ihrem Kampf anzuschließen: Die einst international gefeierte Sängerin Ernman hört auf, zu fliegen, Solarzellen und ein Elektroauto kommen ins Haus, man stellt die Ernährung um. Doch Greta möchte mehr: Sie beginnt, sich online zu engagieren, recherchiert systematisch zum Umgang der Medien und der Politik mit dem Klimawandel, nur um festzustellen, dass die große Katastrophe schlicht kein Thema ist. Als nach der Unterzeichnung des Pariser Abkommens die schwedische Politik zwar viele schöne Worte, aber keine Taten setzt, beschließt sie, ihren Klimastreik umzusetzen. 

Ernman kontextualisiert sowohl die Erkrankungen als auch Greta Thunbergs Engagement im Kontext einer ausgebrannten Gesellschaft, die in letzter Konsequenz auch den Planeten Erde ausbrennt. Dabei betont sie, dass die Lebensweise unserer Zivilisation grundsätzlich infrage zu stellen ist: "Die Luftfahrt gibt den Autos die Schuld. Die Landwirtschaft der Luftfahrt. Die Autofahrer der Schifffahrt. Schließlich ist es immer einfacher, die Schuld anderen zuzuschieben, als sich an die eigene Nase zu fassen." Für Ernman ist die individuelle Macht der Konsumentïnnen zwar wichtig, aber nicht ausreichend: Vielmehr braucht es eine systemische radikale Klimapolitik, die freilich durch individuelles Engagement beschleunigt werden kann. Das bedeutet auch, dass gegen die Interessen und den ungebrochenen Einfluss von großen Konzernen vorgegangen werden muss. Letztendlich bleibt nur eines: Mit allem, was wir haben, die Klimawende zu fordern: "Wir haben längst eine Antwort auf die Klimafrage. Wir wissen, was zu tun ist. (…) Organisiert euch! Werdet aktiv! Setzt etwas in Bewegung! Es ist Zeit für den Auftritt." 



Zitate


"Denn der Klimawandel, den wir in Gang gesetzt haben, kann nicht für jedes einzelne Wetterereignis verantwortlich gemacht werden, auch wenn das die Schlagzeilen in den Zeitungen oft nahelegen. Die korrekte Antwort auf die Frage, ob das Wetter extremer geworden ist, lautet: in vielen Fällen ja - aber eben nicht immer und unter allen Umständen." Friederike Otto: Wütendes Wetter

"Ein November ohne Nachtfrost wie im Jahre 2011 ist ungefähr alle 20 Jahre zu erwarten in unserer Welt mit Klimawandel. Ohne Klimawandel nur alle 1250 Jahre." Friederike Otto: Wütendes Wetter

"Nicht zu handeln ist keine Option mehr." Friederike Otto: Wütendes Wetter

"Heute wird gegen den Klimaschutz mit denselben Mitteln vorgegangen wie in den letzten Jahrzehnten gegen den Nichtraucherschutz. Hier wurde auch jahrzehntelang behauptet, dass es nicht erwiesen sei, dass Rauchen der Gesundheit schade, selbst als dieses Thema in der Wissenschaft gar nicht mehr diskutiert wurde. Diese Zweifel wurden mit Unsummen an Geld beworben und durch gekaufte ‚Experten‘ verbreitet, mit dem einzigen Ziel, Einschränkungen für die Tabakindustrie so lange wie möglich zu verhindern. Dasselbe geschieht heute beim Klimaschutz, teilweise sogar durch dieselben Institutionen und Personen." Helga Kromp-Kolb, Herbert Formayer: +2 Grad

"An irgendeinem Punkt, der vielleicht gar nicht mehr so fern ist, werden die Ängste der Jungen die Oberhand gewinnen über die der Älteren. Und irgendwann werden die Jungen genug Macht aufbauen, um endlich zu handeln." Nathaniel Rich: Losing Earth

"Die Krise unseres Planeten ist so abstrakt und vielschichtig, verläuft so langsam, ermangelt so sehr symbolträchtigen Gestalten und Momenten, dass es unmöglich scheint, sie fesselnd und wahrhaftig zu beschreiben." Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima!

"Allem Wissen über menschengemachten Klimawandel zum Trotz haben wir 2018 mehr Treibhausgase produziert als je zuvor - der Anstieg liegt dreimal höher als das Wachstum der Weltbevölkerung. Gute Ausreden gibt es zuhauf (…). Aber die Wahrheit ist so roh wie offensichtlich: Es ist uns egal." Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima!

"In klaren Worten. Egal, wie unbequem und unrentabel es sein mag. Wir müssen nahezu alles in unseren heutigen Gesellschaften verändern. Je größer euer Kohlenstofffußabdruck ist, umso größer ist eure moralische Verpflichtung. Je größer eure Plattform ist, umso größer ist eure Verantwortung." Greta Thunberg: Ich will, dass ihr in Panik geratet!

"Wir haben längst eine Antwort auf die Klimafrage. Wir wissen, was zu tun ist. (…) Organisiert euch! Werdet aktiv! Setzt etwas in Bewegung! Es ist Zeit für den Auftritt." Greta Thunberg: Szenen aus dem Herzen

 

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Quellenangaben

Zu den Büchern

: Wir sind das Klima!. Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, 336 Seiten, 22 Euro (D), ISBN 978-3-462-05321-0

Wir sind das Klima!

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Osiander

: Ich will, dass ihr in Panik geratet!. Meine Reden zum Klimaschutz. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019, 64 Seiten, 7 Euro (D), ISBN 978-3-596-70542-9

Ich will, dass ihr in Panik geratet!

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Osiander

: +2 Grad. Warum wir uns für die Rettung der Welt erwärmen sollten. Molden Verlag, Wien 2018, 207 Seiten, 23 Euro, ISBN 978-3222150227

+2 Grad

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Osiander

: Losing Earth. Rowohlt Berlin, Berlin 2019, 234 Seiten, 22 Euro (D), ISBN 978-3-7371-0074-8

Losing Earth

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Osiander

: Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019, 256 Seiten, 18 Euro (D), ISBN 978-3-10-397480-5

Szenen aus dem Herzen

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Osiander

: Wütendes Wetter. Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme. Ullstein Verlag, Berlin 2019, 240 Seiten, 18 Euro (D), ISBN 9783550050923

Wütendes Wetter

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Autorin

Birgit Bahtić-Kunrath
Bahtić-Kunrath

Birgit Bahtić-Kunrath ist Mitarbeiterin der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ) in Salzburg versteht sich als Einrichtung einer kritischen und kreativen Zukunftsforschung. Nach der Stiftungserklärung Robert Jungks ist es ihr Auftrag, "mögliche, wahrscheinliche, gewünschte oder unerwünschte Zukünfte" in den Blick zu nehmen und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Engagiert in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur und dabei regional, national und international aktiv, sind Zukunftsorientierung, Interdisziplinarität und Unabhängigkeit im Sinne der Prinzipien Robert Jungks für sie von zentraler Bedeutung. Die JBZ publiziert das vierteljährlich erscheinende Magazin Pro Zukunft, das sich als Radar für zukunftsrelevante Publikationen versteht, und organisiert Veranstaltungen und Tagungen.

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