Neues Denken im Herbst

Unser fünfter Buchstreifzug durch die aktuellen Verlagsprogramme

 

Neues Denken im Herbst - dazu hält unsere Buchauswahl einige Lektüreanregungen bereit: Hier unsere fünfte Bücherliste mit wiederum elf Kurzkritiken aktueller Titel aus den Wirtschafts- und Sachbuchprogrammen der Verlage - querbeet durch Themen und Disziplinen.

Disruptive Thinking Stärke die Menschen

Bernhard von Mutius: Disruptive Thinking. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist. GABAL Verlag, Offenbach 2017, 232 Seiten, 29.90 Euro (D), ISBN 978-3-86936-790-3

Für die einen ist es Gespenst, für die anderen Verheißung: ein Wort, das sich erstaunlich rasch ausgebreitet hat, seit es in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre in die Welt kam: Disruption. Heute hat es längst den Bannkreis der akademischen Fachdiskussion verlassen. Es steht für einen radikalen Wandel in der Wirtschaftswelt. Einen Wandel, den die Etablierten fürchten, die jungen Herausforderer hingegen emphatisch begrüßen, fordern, vorantreiben. Was Disruption aber genau ist, bleibt im Unklaren. Wo andere, wie der Begriffserfinder Clayton Christensen, auf ein enges ökonomisches Modell bauen, setzt Zukunftsdenker Bernhard von Mutius auf eine Weitung. Für ihn ist Disruption nicht bloß ein Fachterminus, sondern ein Denkmodus: Disruptive Thinking. "‚Disruptive Thinking‘ heißt zunächst: Umbrüche, Brüche, nichtlineare Entwicklungen denken zu können." Es ist die "Kunst und Disziplin", mit Störungen, Brüchen und Widersprüchen besser umzugehen. Doch Disruptive Thinking feiert nicht die Disruption, es ist "Reflexion von Disruption". Es ist ein Denken nicht bloß "out of the box", sondern ohne Box. Ein Denken ohne Geländer. Das Buch bietet eine dreiteilige Expedition in die Gedanken- und Erfahrungswelt von Disruptive Thinking, drei Gänge querfeldein, von denen jeder in einen praktischen Imperativ mündet: "Sei überraschend einfach! Brich Routinen! Stärke die Menschen!" Denken auf der Höhe der Zeit. (wk) https://www.gabal-verlag.de/buch/disruptive_thinking/9783869367903
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Bullshit Busters
Schöne Geschichten, schön erfunden

Axel Ebert, Christoph Wirl: Bullshit Busters. Irrtümer und Mythen aus Vorträgen, TV und Büchern. Goldegg Verlag, Berlin/Wien 2017, 220 Seiten, 22 Euro (D), ISBN 978-3-990600351

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Frosch im Kochtopf: Wirft man einen Frosch in kochendes Wasser, so springt er heraus, setzt man ihn hingegen in einen Topf mit kaltem Wasser und bringt dieses langsam zum Kochen, unternimmt der Frosch keinen Fluchtversuch und kommt um. So die Geschichte. Sie soll zeigen, dass wir auf schleichende Veränderungen nicht angemessen reagieren, weil wir sie schlicht nicht mitbekommen. Eine schöne Geschichte zweifellos - aber "schön erfunden". Sagen Axel Ebert und Christoph Wirl, die sich in ihrem Buch 21 solche populären, in Vorträgen, Büchern und im Fernsehen immer wieder kolportierten Irrtümer und Mythen vorgeknöpft haben: vom unmöglichen Hummelflug über Feuerläufe und den undenkbaren rosa Elefanten bis hin zu den (offenbar von Hamel/Prahalad erfundenen) fünf Affen. Akribisch und auf Basis fundierter Recherchen zeigen die Autoren, was an den schönen Geschichten falsch ist und wie die Mythen in die Welt kamen und ihre Wirkung entfalten konnten. Ebert/Wirl plädieren für einen fundierten Faktencheck auf Basis eines gesunden Skeptizismus. Das ist Aufklärungsarbeit im besten Sinne. Unbedingte Leseempfehlung - insbesondere für Trainer und "Top-Speaker". (wk)
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Netzwerk schlägt Hierarchie
Eine Frage des Mindsets und der Haltung

Christiane Brandes-Visbeck, Ines Gensinger: Netzwerk schlägt Hierarchie. Neue Führung mit Digital Leadership. Redline Verlag, München 2017, 208 Seiten, 24.99 Euro (D), ISBN 978-3-86881-682-2

Es ist ein Kennzeichen unserer Zeit, dass Veränderungen als "digital" apostrophiert werden, die eben mit diesem Begriff nicht hinreichend erklärt werden können. Digital Innovation oder Digital Leadership zum Beispiel. In beiden kommen Entwicklungen zum Tragen, die weit in die Zeit vor der voranschreitenden Durchdigitalisierung der Gesellschaft zurückreichen. Nichtsdestotrotz sind es die digital ermöglichten Formen der Zusammenarbeit, Produktion und Arbeitsorganisation, die das Digitale in den Vordergrund treten lassen. Diese Komplexität der Lage, in der, was passiert, nicht mehr klar auf bestimmte eindeutig identifizierbare Einflussfaktoren zurückgeführt werden kann, prägt auch das Buch von Christiane Brandes-Visbeck und Microsoft-Managerin Ines Gensinger, das schon in seinem Titel Netzwerk schlägt Hierarchie über das Digitale hinausweist. Und innen erst. Digital Leadership sei zunächst keine Frage der Technologie, stellen die Autorinnen klar. Sondern vor allem eine des Mindsets und der Haltung. Worauf es ankomme, das seien "Haltung und Herzlichkeit, Menschlichkeit und Empathie". Und Vertrauen. Was diese empathische Haltung und das Mindset des Akzeptierens von Nichtwissen und Ungewissheit bedeutet, dem spüren die Autorinnen in ihrem erfreulich persönlich gehaltenen Buch nach. Eine "Digital Leadership Canvas" soll dabei Orientierung geben. Und wo manche andere Autoren mit Leadership-Tools den alten Managementansatz zu retten versuchen, weisen die Workshop-Ideen am Ende die richtige Richtung: Mitwirkung, Beteiligung, Zusammenarbeit, Selbstorganisation. Netzwerk statt Hierarchien. (wk)
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Space for Creative Thinking
Schluss mit dem Einheitsbüro

Christine Kohlert, Scott Cooper (Autoren), Drees & Sommer AG (Herausgeber): Space for Creative Thinking. Design Principles for Work and Learning Environments. Callwey Verlag, München 2017, 256 Seiten, 59.95 Euro (D), ISBN 978-3-7667-2267-6

Eine Zeit lang schien der Trend wegzugehen vom Büro. Homeoffice war angesagt, und man schwärmte von "Third Places" draußen in den Städten - inspirierenden Orten, wo es sich wunderbar leicht arbeiten ließ. Als Marissa Mayer dann die Yahoo-Crew zurück in die Büros beorderte, erntete sie zunächst Kopfschütteln. Heute aber scheint der Trend tatsächlich wieder in Richtung Büro zu gehen - wobei sich gehörig wandelt, was man sich darunter vorzustellen hat. Findige Architekten holen in die Firmenzentralen das herein, was die dritten Orte versprochen hatten: Inspiration und Abwechslung durch ungewohnte Raumkonzepte. Der Text/Bildband Space for Creative Thinking von Christine Kohlert und Scott Cooper unterstreicht dies. Das reich mit großformatigen Fotos bebilderte Buch präsentiert eindrucksvolle Beispiele neuer architektonischer Raumkonzepte für Arbeiten und Lernen. Der begleitende Text entwickelt dabei zugleich ein theoretisch fundiertes Konzept für die Gestaltung von Arbeitsräumen, das - ausgehend von der Schwierigkeit, Kreativität zu definieren - eine Palette kreativer Tätigkeiten unterscheidet, die jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Arbeitsumgebung stellen: creation/conceptualization, concentration/solo work, research/study, knowledge transfer, collaboration, implementation/realization sowie review/finalization. Schluss also mit dem Einheitsbüro. (wk)
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Transformation. BAMM!
Auf in die Vulkanökonomie

Dietmar Dahmen, Marcus Bond: Transformation. BAMM!. Management in der Vulkanökonomie. Murmann Publishers, Hamburg 2017, 232 Seiten, 19.90 Euro (D), ISBN 978-3-867745826

Ist "Bamm!" das neue "Tschakka!"? Könnte man fast meinen, wenn man hört, wie Dietmar Dahmen im Facebook-Video einen seiner Sprüche loslässt und sein Mantra "Bamm, Bamm, Bamm" hinterherruft. Bamm, Bamm, Bamm (gesprochen "Bämm"), das ist der Klang der Disruption, die keinen Stein auf dem anderen lässt. Dahmen, als Bühnenvulkan und Managerbegeisterer eingeführt, präsentiert in seinem, zusammen mit dem PR-Profi Marcus Bond entwickelten Buch die Karaoke-Version der Geschichte von der digitalen Transformation - wild, ungestüm, respektlos, brachial und provozierend. Das Buch stellt ein erweitertes und leicht abgewandeltes VUCA-Konzept vor, die "Vulkanökonomie". In "VULKAN" steht jeder Buchstabe "für eine brennende Eruption, einen schleichenden Lavastrom oder eine radikale Veränderung des Geschäftsumfeldes": volatil, ungewiss, liquide, kooperativ, anders, narzisstisch - also eine radikale Veränderung der Wirtschaft, wie wir sie kennen, serviert in einem Stakkato von Haupt- und Ausrufesätzen, denen die Frage, die Differenzierung fremd ist. Ein Buch, das rocken will. Aber immerhin so gut gemacht, dass es lohnt, sich auf den wilden Ritt einzulassen. Gut ist, was die Erkenntnis befördert. (wk)
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Segeln auf Sicht
Inkrementell, interaktiv und iterativ

Olaf Hinz: Segeln auf Sicht. Die Mythen zur Führung anders betrachtet. Springer Gabler, Wiesbaden 2017, 113 Seiten, 24.99 Euro (D), ISBN 978-3-658-05836-4

Wenn die Wogen des Wandels allzu hoch schlagen, täte mitunter ein wenig mehr Gelassenheit gut. "Seemännische Gelassenheit" ist das Markenzeichen des Beraters Olaf Hinz. Den Titel seines neuen Buches hat er sich bei dem zu früh verstorbenen Professor Peter Kruse ausgeliehen: Segeln auf Sicht. "Segeln auf Sicht ist die angemessene Reaktion auf die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit und wechselnde Winde", schreibt Hinz. Denn eine Welt mit VUCA-Wetter, in der Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit herrschen, verlangt, dazuzulernen. Und erfordert ein neues Führungsverständnis. Wissend, dass einfache Regeln in einer Situation der Komplexität oftmals die beste Leitlinie sind, bietet Hinz in seinem erfreulich handlichen und prägnanten Buch die "Drei-i-Regel" an: Führung unter Ungewissheit ist inkrementell, interaktiv und iterativ: inkrementell, "weil große Pläne schon veraltet sind, bevor sie erscheinen", interaktiv, "weil einsame Helden mit ihrem Latein im VUCA-Wetter am Ende sind", und iterativ, "weil Komplexität nicht in einem Zug bewältigt werden kann". Kurz gesagt: "Segeln auf Sicht steht an, starre Pläne, Zielerreichungsquoten mit Nachkommastellen und heldenhafte Führung haben ausgedient!" (wk)
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Mogelpackung Work-Life-Blending
Vom mechanischen zum digitalen Taylorismus

Christian Scholz: Mogelpackung Work-Life-Blending. Warum dieses Arbeitsmodell gefährlich ist und welchen Gegenentwurf wir brauchen. Verlag Wiley-VCH, Weinheim und Basel 2017 2017, 230 Seiten, 19.99 Euro (D), ISBN 978-3-527-50928-7

Es gehört zur Uneindeutigkeit der neuen Arbeitswelt, dass die von Managern und Beratern als Schritt zu einer menschlicheren Arbeitswelt gepriesenen neuen Arbeitsformen aus Sicht der Unternehmen in erster Linie der Steigerung ihrer Wertschöpfung dienen. Dies spiegelt sich in der Karriere des Begriffes "New Work": Von Frithjof Bergmann ursprünglich als emanzipatorisches Modell einer Befreiung der Arbeit aus der Knechtschaft der Lohnarbeit entwickelt und als Kombination von Erwerbsarbeit, Selbstversorgung und selbstbestimmter Eigenarbeit konzipiert, meint der Begriff heute eher ein Niederreißen der Beschränkungen der alten, fremdbestimmten Erwerbsarbeit. Wie es scheint, im Interesse der Arbeitenden. Doch ist es wirklich so? Man kann das Konzept New Work auch gegen den Strich bürsten. Das tut Christian Scholz in seinem neuen Buch Mogelpackung Work-Life-Blending. Eloquent, ironisch bis polemisch begibt sich Scholz auf eine Spurensuche nach der Entwicklung von Arbeit zwischen alten Beschränkungen, moderner Entgrenzung und der Suche nach neuen Verbindlichkeiten. Work-Life-Blending, die Entgrenzung der modernen Arbeitswelt, liest sich für ihn so: "Die Arbeit ‚blendet‘ sich perfekt in das Privatleben ein." Seine Leitthese: "Wir haben den mechanischen Taylorismus abgeschafft, um ihn durch den digitalen Taylorismus zu ersetzen." Am Ende stellt Scholz alternative Konzepte von Raum und Zeit vor: "Arbeitswelt 4.Z" (ein Akronym muss wohl sein: 4.0 plus Generation Z) als "lebenswerter Gestaltungsentwurf". Bedenkenswert! (wk)
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Versuch’s mal mit Entschuldigung
Ohne Wenn und Aber

Harriet Lerner: Versuch’s mal mit Entschuldigung. Wie Versöhnung kleine und große Herzschmerzen heilt. Knaur Balance, München 2017, 224 Seiten, 16.99 Euro (D), ISBN 978-3-426-67549-6

Warum geht das oftmals so schwer über die Lippen, dieses "tut mir leid", die ernst gemeinte Entschuldigung, die Bitte um ein Verzeihen? Vermutlich liegt Harriet Lerner, die US-amerikanische Psychologin, Psychotherapeutin, Feministin und Bestsellerautorin, richtig, wenn sie sagt, es gebe wohl kaum etwas Wichtigeres als den "Mut, sich zu entschuldigen, und die Reife wie auch die Klarheit, es weise und gut zu machen". Denn wenn zwischenmenschlich der Karren wirklich im Dreck steckt, bleibt meist die Entschuldigung das einzige Mittel, das einen Weg aus dem Schlamassel weist. Wohlgemerkt: die wirklich ehrliche Entschuldigung. Die Entschuldigung ohne Zusätze und Relativierungen. Denn auch das macht dieses einfühlsam geschriebene und mit vielen Beispielen versehene Buch deutlich: Es gibt eine ganze Reihe von Pseudo-Entschuldigungen, die den angestrebten Zweck gleich im Ansatz wieder zunichtemachen (oder gleich einen anderen Zweck verfolgen): Entschuldigungen mit Wenn und Aber, taktische, verschleiernde, fordernde, aufdringliche oder überzogene Entschuldigungen. Lerner stellt klar: "Die besten Entschuldigungen sind kurz und enthalten keine Erklärungen, die sie womöglich wieder relativieren oder völlig neutralisieren." Es geht einfach darum, Verantwortung zu übernehmen. (wk)
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freedom
Freiheit zurückerobern

Raoul Martinez: freedom. Die falsche und die wahre Freiheit, übersetzt von Enrico Heinemann. Hoffmann und Campe, Hamburg 2017, 592 Seiten, 34 Euro (D), ISBN 978-3-455-50307-4

Auf ein Buch gilt es noch hinzuweisen. Ein Buch, das mit seinen knapp 600 Seiten hier nur kurz angerissen werden kann. Es versucht eine Neubestimmung von Freiheit nach der neoliberalen Ära. "Jahrzehntelang wurden wir darauf konditioniert, dass Habgier gut und die Gesellschaft Illusion sei, dass Menschen bekämen, was sie verdienten. So hat man uns eine verarmte Vision des Menschseins verkauft, die unsere Vorstellungskraft in Ketten legt und unsere Hoffnungen aushöhlt. Freiheit soll das sein", schreibt der Schriftsteller, Maler und Filmproduzent Raoul Martinez. Seine Einsicht: Die Grenzen der Freiheit in unterschiedlichen Bereichen sind miteinander verbunden. Seine Schlussfolgerung: "Um zum tieferen Sinn der Freiheit vorzustoßen, müssen wir Breschen in die Mauern schlagen, welche Disziplinen gegeneinander abschotten." Disziplinübergreifend denken und arbeiten, das ist das Programm des Buches freedom. Sein Ziel: Freiheit zurückerobern. Wert, zu lesen. (wk)
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Wir haben die Zeit
Neue Morgenröte

Christian Schüle: Wir haben die Zeit. Denkanstöße für ein gutes Leben. Edition Körber Stiftung, Hamburg 2017, 280 Seiten, 22 Euro (D), ISBN 978-3-89684-197-1

Gutes Leben, besseres Leben, ausgeglichenes Leben, sinnerfülltes Leben - Neuerscheinungen zu diesen Fragen türmen sich in den Regalen der Buchläden. Das weiß auch Christian Schüle, Schriftsteller und Essayist aus Hamburg. Und deshalb will er es anders versuchen: mit der Utopie eines neuen Humanismus. Seine Eckpfeiler: neue Begriffe von Zeit und Arbeit und ein neuer Generationenvertrag. Wie also, fragt Schüle, könnte das Humane von morgen aussehen? In einem Morgen, in dem die Digitalisierung in einem noch nicht absehbaren Ausmaß die Arbeitswelt umkrempeln und bislang gültige Werte und Orientierungspunkte auf den Kopf stellen wird? Schüle sieht uns an der Schwelle zu einer "kognitiven Epoche", in der soziale Grundmuster des Miteinanders zunehmend von technischen ersetzt werden. Umso engagierter plädiert er in seinem Buch für einen Humanismus 4.0, der Solidarität, Gemeinsinn und das Soziale ins Zentrum stellt und mit neuen Narrativen dem Menschen vermittelt werden sollte. Das ist wohltuend optimistisch: Blickt man zuversichtlich nach vorn, lässt sich der Schimmer einer zarten Morgenröte erkennen", so Schüles Schlusswort: "Wir haben die Zeit. Nutzen wir sie." (ad)
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Philosophie der Arbeit
Philosophisches zur Arbeit

Michael S. Aßländer, Bernd Wagner (Hg.): Philosophie der Arbeit. Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Berlin 2017, 546 Seiten, 22 Euro (D), ISBN 978-3-518-29801-5

Kann es sein, dass die aktuelle Debatte über Arbeit und ihre Zukunft etwas geschichtslos daherkommt? Und dass ohne ein Verständnis, was Arbeit in unterschiedlichen Zeiten für den Menschen bedeutete und wie über sie gedacht worden ist, nur schwer über deren Zukunft gesprochen werden kann? Der existenziellen Bedeutung von Arbeit zum Trotz friste "dieses Thema im philosophischen Kontext erstaunlicherweise ein Schattendasein", konstatieren Michael S. Aßländer und Bernd Wagner. So war, wer nach Originaltexten zur Philosophie der Arbeit suchte, bislang auf aufwendige Literaturrecherchen angewiesen. Ein verdienstvolles neues Buch schließt nun die Lücke. Der von Aßländer und Wagner herausgegebene Sammelband Philosophie der Arbeit bietet erstmals (so der Verlag) eine Zusammenstellung der einschlägigen philosophischen Texte von der Antike bis zur Gegenwart, von Hesiod und Platon über Luther und Locke bis Arendt und Gorz. Das ist zu loben. Erfreulich auch, dass Axel Honneth mit seinem Text zu "Arbeit und Anerkennung" und Domènec Melé über "Subsidiarität und Partizipation" das Themenfeld weit ziehen und Dieter Thomä über Work-Life-Balance und Burnout hinausdenkt. Leider aber fehlen andere, neuere Zugänge zum Thema. Vor allem wäre es angesichts der großen Bedeutung des Begriffs "New Work" heute gut gewesen, der Sammlung einen Text von oder über Frithjof Bergmann und sein New-Work-Konzept beizufügen. Das fehlt leider. Schade. (wk)
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