Reingelesen 3|2019

Buchempfehlungen im Sommer 2019

 

Dieses Mal geht es um Freiheit und Komplexität, um Demokratisierung der Organisation, um Führen von hinten, um zukunftsbereite Organisationen, um Loyalität als freiwillige Treue und um innere Stabilität, die es erlaubt, mit Unsicherheit und Komplexität umzugehen. Auch um die Abkehr von der Uhrzeit, um Lernen und soziale Medien und um die Wende vom Produkt zum Resultat, vom Kauf zur Dienstleistung. Und schließlich stellen wir zwei Bücher zum Thema Informationsvisualisierung vor: eines, das zum Lachen, Nachdenken und Perspektivenwechseln einlädt, und eines zur langen Geschichte der Informationsgrafik. Denn die ist länger, als man mit schnellem Blick auf digitale Neuerungen vermuten möchte. Das Gedächtnis in digitalen Zeiten scheint oftmals kurz.
Auswahl und Texte: Winfried Kretschmer mit Beiträgen von Katja Reichgardt (kr) sowie Katharina Kiening (kk) und Birgit Bahtić-Kunrath (bkk) von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen © Coverabbildungen: Verlage edition a, Hoffmann und Campe, Murmann | Haufe, Plassen, Redline, S. Hirzel, Schaeffer-Poeschel, Taschen, transcript, UVK

Komplexe Freiheit Eine neue Grammatik der Freiheit

Helmut Willke: Komplexe Freiheit. Konfigurationsprobleme eines Menschenrechts in der globalisierten Moderne. transcript Verlag, Bielefeld 2019, 305 Seiten, 29.99 Euro (D), ISBN 978-3-8376-4564-4

Der Soziologe Helmut Willke beschäftigt sich mit dem Menschenrecht der Freiheit aus der Perspektive der Systemtheorie. Er versteht Freiheit als komplexes Konstrukt, welches untrennbar mit Demokratie verbunden ist. Zwei Megatrends der Moderne bedrohen aktuell die Freiheit und damit die Demokratie: die Globalisierung und die Digitalisierung. Globalisierung schafft zwar neue Freiheitsräume durch Entgrenzung, doch bedroht sie Freiheit, wo sie Demokratie unterminiert. Auch die Digitalisierung mag zunächst neue Freiräume schaffen, doch "die Währung, in der die neuen Freiheiten bezahlt werden, ist tolerierte Unfreiheit". Manipulation ist für Willke die moderne Bedrohung der Freiheit. Er plädiert deswegen für eine neue "Grammatik der Freiheit", die der neuen Komplexität von Gesellschaft gewachsen ist. Dazu brauche es ein Zusammenspiel vieler verschiedener Arten von Freiheit, gleichzeitig aber das Einsehen, dass in einer hochkomplexen Welt nicht mehr alles gewusst werden kann. Der "Überforderung durch Komplexität" will Willke durch Subsidiarität und Föderalität begegnen, konkret durch die Dezentralisierung von Steuerungsaufgaben. Ein wichtiger Beitrag zur Freiheit als zentralem Menschenrecht, der die Vielschichtigkeit des Begriffs intensiv aufarbeitet. (bbk)
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Demokratisierung in der Organisation Grundsätzliche Weisungsfreiheit aller Mitarbeiter

Helmut Borsch, Dietmar Borsch: Demokratisierung in der Organisation. Das Verantwortungsprinzip und das Grundrecht der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Schaeffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2019, 423 Seiten, 59.95 Euro, ISBN 978-3-7910-4420-0

Vielleicht ist es die Tatsache, dass die Demokratie unter Beschuss geraten ist, die den Blick auf ihre Defizite und ihre fatale Unvollständigkeit lenkt: Demokratisch ist unser politisches System, weite Teile unserer Gesellschaft sind es nicht. Dieses Demokratiedefizit unserer Gesellschaften rückt nun zunehmend in den Blickpunkt, das in Unternehmen und Organisationen vor allem: "Wir können unsere Gesellschaft kaum demokratisch nennen, solange wichtige Organisationen wie die öffentliche Verwaltung, Unternehmen, Verbände und Parteien in ihrem Inneren wie Oligarchien geführt werden." Das ist der Kernsatz des neuen Buches Demokratisierung in der Organisation von Helmut und Dietmar Borsch. Die Autoren argumentieren nicht aus der Perspektive der Politischen Philosophie (wie Elizabeth Anderson und Lisa Herzog), ihr Ansatzpunkt ist auch nicht die Unternehmenstransformation unter digitalen oder VUCA-Vorzeichen. Sie gehen Demokratisierung von der betriebswirtschaftlichen und juristischen Form der Unternehmensorganisation her an. Dieser nüchterne Blick zeichnet ihr Buch aus. Was nicht heißt, dass dessen Grundgedanken keine Sprengkraft entfalten würden. Ein zweiter Kernsatz: "Die Forderung nach Demokratisierung kann ethisch nicht mit einer freiwilligen Teilung der Macht begründet werden. Sie bedarf des innerbetrieblichen, verfassungsmäßigen Rechts." Sprengkraft besitzt nicht zuletzt die zentrale Forderung, denn sie zielt auf den Kern jedes Managements, die Weisungsbefugnis: Kern des Demokratisierungsansatzes der Autoren ist es, die allgemeine Subordinationsregel aufzugeben, nach der "Mitarbeiter grundsätzlich den Weisungen der Vorgesetzten unterworfen sind". Grundsätzliche Weisungsfreiheit aller Mitarbeiter ist das Ziel.
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Leading from Behind
Von hinten führen

Dirk Devos, Manon de Wit, Robert Lubberding: Leading from Behind. Wie Mutmacher Unternehmen beflügeln. Redline Verlag, München 2019, 128 Seiten, 9.99 Euro (D), ISBN 978-3-86881-755-3

Heute und in der Zukunft geht Führung anders: "the most effective leaders will lead from behind, not from the front". Das schrieb Linda A. Hill, Professorin für Business Administration an der Harvard Business School schon 2010. Sie bezog sich dabei auf ein Zitat von Nelson Mandela, der in seiner Autobiografie einen fähigen Anführer mit einem Hirten gleichgesetzt hatte: "Er bleibt hinter der Herde und lässt die flinksten Leute voraus, woraufhin die anderen folgen und nicht merken, dass sie die ganze Zeit von hinten angeleitet werden." Das ist kurz umrissen der Grundgedanke des Buchs Leading from Behind von Dirk Devos, Manon de Wit und Robert Lubberding. Um anpassungsfähiger an eine sich rasch verändernde Umwelt zu werden, so ihr Grundgedanke, brauchen wir einen wirklich menschenzentrierten Ansatz von Führung. Einen Ansatz, der es erlaubt, dass jeder jederzeit sein Bestes in das gemeinsame Ganze einbringt. Das aber erfordert, so die Autoren in ihrem unter anderem von Peter M. Senge, Otto Scharmer, Kate Raworth und eben auch Nelson Mandela inspirierten Praxismodell, sich auf die "irrationale und nicht lineare Wirkungsweise" dieses Ansatzes einzulassen. Ein Inspirationsbuch über Führung.
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Future Fit Company
Die zukunftsbereite Organisation

Florian Rustler, Nadine Krauss, Jens Springmann, Daniel Barth, Isabela Plambeck: Future Fit Company. Individuelle Trainingspläne für Macher, Entscheider und Veränderer. Murmann | Haufe, Freiburg 2019, 311 Seiten, 29.95 Euro (D), ISBN 978-3-648-12559-5

Wenn sich der Diskursrahmen auch erweitert, in dem die Form der Gestaltung von Unternehmen verhandelt wird, geht es im Kern doch immer um die Frage, wie die Organisation beschaffen sein muss, damit sie auch in Zukunft bestehen kann. Also sie zukunftsfähig, zukunftstauglich, zukunftsbereit zu machen. Futurefit Company nennen das die Autoren des gleichnamigen Buches. Dessen Wert liegt vor allem darin, dass es den Blick nicht auf einen Ansatz, ein Modell verengt, sondern ihn erweitert, indem es unterschiedliche Perspektiven und Ansätze kombiniert und integriert. Denn "eine Organisation ist ein komplexes Gebilde, in dem die Einzelteile in Verbindung stehen und sich gegenseitig beeinflussen." In Anlehnung an die Holakratie und ein Modell von Ken Wilber unterscheiden die Autoren vier Räume einer Organisation: erstens die einzelne Person und deren Denk- und Handlungsweisen, zweitens die Weise, wie die Menschen miteinander interagieren, drittens die Struktur und die Art, wie Entscheidungen getroffen werden, und viertens die operativen Prozesse und Praktiken. Die Herausforderung besteht darin, in diesen vier Räumen gleichzeitig zu agieren. Dafür stellt das Buch auf der Basis von acht grundlegenden Prinzipien Trainingspläne bereit. Die grundlegende Botschaft lautet: "Wir alle müssen Organisationen schaffen, die für die Zukunft bereit sind."
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Die Agilitäts-Falle
Mit Unsicherheit und Komplexität souverän umgehen

Thomas Würzburger: Die Agilitäts-Falle. Wie Sie in der digitalen Transformation stabil arbeiten und leben können. Franz Vahlen Verlag, München 2019, 142 Seiten, 24.90 Euro (D), ISBN 978-3-8006-5927-2

Kaum hat ein Hype seinen Höhepunkt überschritten, kommt (mindestens) ein Buch auf den Markt, das das gehypte Buzzword mit den Wörtchen "Lüge" oder "Falle" in eine Bindestrich-Verbindung bringt. So war es mit der Start-up-Lüge, so ist es mit der Agilitäts-Falle. Während das zuerst genannte Buch genau gesehen eine antiquierte Sicht von Organisationen breittritt (nicht weiter erwähnenswert), ist Thomas Würzburgers Buch ein gewichtiger Zwischenruf mit einer Mahnung, die ernst zu nehmen ist. Agilität braucht Stabilität, das ist der Kerngedanke. Aber anders als beim Konzept der "agilstabilen" Organisation sucht Würzburger die Stabilität nicht in der Organisation, sondern in der Person. Die Kernthese seines Buches: "Agilität kann nur dann funktionieren, wenn jeder Einzelne innere Stabilität aufweist, die ihn befähigt, wirklich agil zu handeln. Diese innere Stabilität erlangen wir nicht durch ehrgeizige Agilitätsbestrebungen, sondern ausschließlich durch die Weiterentwicklung unserer Persönlichkeit." Das ist der Punkt: Es bedarf einer inneren Stabilität, die es uns erlaubt, mit Unsicherheit und Komplexität souverän umzugehen.
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Royal führen, loyal handeln
Freiwillige Treue

Miriam Engel: Royal führen, loyal handeln. Nachhaltige Wertschöpfung für Ihr Unternehmen. UVK Verlag, München 2019, 161 Seiten, 24.99 Euro (D), ISBN 978-3-86764-873-8

"Loyal" ist das Schlüsselwort bei Miriam Engel. Die Loyalität der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt ihres Beratungsansatzes. Insofern ist es ein Rätsel, wie das "Royal" in den Titel kommt: Royal führen, loyal handeln? Denn mit dem hoheitlichen Führungsstil der historischen Könige und der Unternehmensfürsten der industriellen Ära hat die loyale Führung, wie die Autorin sie versteht, gar nichts zu tun. Engel sagt: "Von loyaler Führung kann jeder profitieren." Loyalität macht Mitarbeiter engagierter und produktiver. Loyalität ist freiwillige Treue, wie Anne Schüler so trefflich in ihrem Vorwort definiert. Sie bringt auf den Punkt, was Loyalität ausmacht: "Man kann sie nicht erkaufen, nicht einfordern und schon gar nicht erzwingen. Man bekommt sie geschenkt." Wie man den Boden bereitet, auf dem Loyalität gedeihen kann, buchstabiert Miriam Engel in ihrem kleinen, aber feinen Buch aus. Der Schlüssel dabei: Der Mensch muss in seinem So-Sein bejaht werden.
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Das Abo-Zeitalter
Vom Produkt zum Resultat

Tien Tzuo: Das Abo-Zeitalter. Warum das ABO-Modell die Zukunft Ihres Unternehmens ist und was Sie dafür tun müssen. Plassen Verlag, Kulmbach 2019, 304 Seiten, 19.99 Euro (D), ISBN 978-3-864706097

Was soll man als Betreiber eines Onlinemediums mit einem mehr schlecht als recht funktionierenden Abomodell davon halten, wenn ein Autor nun ausgerechnet das Abo zum Zukunftsmodell unternehmerischer Wertschöpfung erklärt? Genau das tut Tien Tzuo, Gründer eines Anbieters von Subskriptionssoftware, in seinem Buch Das Abo-Zeitalter. Klar, Spotify, Netflix, Apple Music machen doch vor, wie Abos funktionieren können. Doch Tzuos Buch greift über die boomenden Streamingdienste hinaus. Es beschreibt ein Modell für die Wirtschaft insgesamt. In dessen Mittelpunkt: der Kunde - und was er wirklich will. Denn das ist nicht automatisch identisch mit dem, was Unternehmen ihm anbieten. In Tzuos Buch geht es darum, dass im Einzelhandel, im Transportwesen, in den Medien und im Technologiesektor ein umfassender Umstieg von Produkten auf Dienstleistungen stattfindet. Die weitgehende These: "Hinter jedem Produkt steht eine Dienstleistungsvereinbarung und die gilt es herauszufinden." Das ist der grundlegende Paradigmenwechsel, von dem Tzuo spricht: vom Produkt zum Resultat. Oder anders gesagt: "Dienstleistungsvereinbarungen lösen Kaufverträge ab."
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Die Uhr kann gehen
Abkehr von der Uhrzeit

Karlheinz A. Geißler: Die Uhr kann gehen. Das Ende der Gehorsamkeitskultur. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2019, 193 Seiten, 19.80 Euro (D), ISBN 978-3-7776-2788-5

Nicht wenige Historiker sehen in der Entwicklung der mechanischen Uhr die folgenreichste Erfindung der Neuzeit. Seit rund 600 Jahren geben die Uhrzeiger den Menschen schon den Takt für ihren Alltag vor. Doch nun hat eine "Uhrendämmerung" eingesetzt, und nicht die Zeit, wohl aber die Uhrzeit verliert immer mehr an Bedeutung. Oder wie es Karlheinz A. Geißler in seinem neuen Buch ausdrückt: "Die Uhrzeit verlässt die Komfortzone ihres langdauernden Monopols." Die Uhr kann gehen, so der Titel. Dazu trägt im großen Maße auch die Digitalisierung bei. So wurde zunächst die früher schnell aus der Westentasche gezogene Taschenuhr durch die klassische Armbanduhr ersetzt, nur um heute durch moderne Smartphones überflüssig gemacht zu werden. Eine Entwicklung, die laut Geißler alles andere als negativ zu betrachten ist. Stattdessen bedeute eine Abkehr von der "Uhrendiktatur" mehr Flexibilität und Freiheit - letztlich das Ende der Gehorsamkeitskultur: "Durch die Uhr und ihre inhaltsleere Zeitansage verlor der Mensch seine Einbettung in die Natur." Eine Anleitung für alle, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. (kr)
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#Lernsieg
Lernen mit sozialen Medien

Benjamin Hadrigan: #Lernsieg. Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp. edition a, Wien 2019, 224 Seiten, 20 Euro (D/A), ISBN 978-3-99001-317-5

Schlechte Noten und Lernschwierigkeiten belasten viele Kinder und Jugendliche. Dass daran nicht immer Schüler selbst (oder die Lehrer) schuld sind, sondern das veraltete Schulsystem, in dem der Unterrichtsstoff vermittelt wird, ist die Kernthese des 17-jährigen Benjamin Hadrigan. Er selbst habe es mit sozialen Medien und digitalen Hilfsmitteln vom Schulversager zum Einserschüler gebracht - und will nun nichts weniger als das Bildungssystem revolutionieren. "Beim Erlernen von neuen Inhalten dreht es sich eigentlich immer nur um eines: Die richtige Kommunikation." Die wird durch soziale Medien wie Snapchat oder Instagram extrem verkürzt und vereinfacht. "Und damit bist du mitten drin im enormen Vorteil von Social Media - auch, nein: gerade für deinen Weg zum Lernsieger." Angepasst an unterschiedliche Lerntypen und -methoden zeigt Hadrigan in #Lernsieg, wie es sich mit welchen sozialen Kanälen am effektivsten lernen lässt, und liefert in seinem Buch gleich Platz, um die entsprechenden Lernerfolge festzuhalten. Ein wichtiges Buch, das mit dem Schulsystem, wie wir es kennen, abrechnet, und den angestrebten digitalen Wandel der Bildung praxisnah umsetzt. (kr)
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100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern
Landkarten, überraschend anders

Katapult (Hg.): 100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2019, 205 Seiten, 20 Euro (D), ISBN 978-3-455-00538-7

Ein Bildband, der zum Lachen, Nachdenken und Perspektivenwechseln einlädt. Da gibt es einige belanglos-amüsante Grafiken wie die zehn rundesten und eckigsten Länder oder Saudi-Arabien, dargestellt anhand seiner Flüsse (leere Seite, denn es gibt weder Flüsse noch Seen dort). Da wird gezeigt, wie sich Dialekte im deutschen Sprachraum unterscheiden, wie sich der Schienenverkehr in Japan und Neuseeland gestaltet, wo Ernest Hemingway im Gegensatz zu Immanuel Kant überall hingereist ist - und dann finden sich auch viele gesellschaftlich-politische Grafiken mit kurzen Texten, die oftmals übergangene Themen eindrücklich darstellen, etwa der Anteil von Frauen in nationalen Parlamenten, nicht anerkannte Staaten und Autonomiebewegungen in Europa, Ungleichheit und Alkoholkonsum im weltweiten Vergleich oder weltweite Tempolimits (nur Deutschland ohne). Herausgegeben wird das Buch von Katapult, einem Magazin, das seit 2015 sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse mithilfe von Infografiken allgemein und eingängig zugänglich machen möchte. Mit 100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern ist das auf jeden Fall gelungen. (kk)
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History of Information Graphics
Kulturtechnik Informationsvisualisierung

Sandra Rendgen, Julius Wiedemann: History of Information Graphics. Großformat, 462 Seiten mit über 400 Abbildungen und 6 Ausklappseiten. Taschen Verlag, Köln 2019, 462 Seiten, 50 Euro (D), ISBN 978-3-8365-6767-1

Seit die Rede von Big Data die Runde macht und Daten als das neue Öl gepriesen werden, gelten Infografiken als das Nonplusultra, um komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen. Als das neue heiße Ding. Schon in ihrem ersten fulminanten Werk Understanding the World hatte Sandra Rendgen vor Augen geführt, dass Infografiken mitnichten der letzte Schrei sind, sondern eine lange Geschichte haben. Hier liegt nun der Schwerpunkt des neuen, in Art und Aufmachung identischen, wiederum in Zusammenarbeit mit Julius Wiedemann editierten neuen Werks History of Information Graphics. Rendgens These: Die Vorstellung, dass die Informationsvisualisierung erst durch die Digitalisierung zu einer eigenen Kulturtechnik herangereift sei, ist falsch. Die Praxis, Informationen visuell zu codieren und zu speichern, um mit ihnen zu arbeiten und sie weiterzureichen, ist uralt. "Die Praxis der Informationsvisualisierung durchzieht wie ein leuchtendes Garn das Gewebe unserer Kultur." Dies macht das Buch mit faszinierenden Beispielen deutlich. Ein Lehrbuch über menschlichen Erfindungsreichtum und visuelle Gestaltungskraft.
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